Ein Schweizer Maler der Moderne

149. Konstruktion rot/gelb, 1930, Öl auf Hartfaserplatte, 75 x 61,5 cm (R.), 72 x 59 cm (o. R.)

Konstruktion rot/gelb, 1930

André Evards „Konstruktion rot/gelb“ aus dem Jahr 1930 gehört zu einer Reihe konkret-konstruktiver Stilllebenkompositionen, in denen der Künstler alltägliche Gegenstände – hier eine Weinflasche, ein Weinglas und eine aufgefächerte Serviette – einem konsequenten Prozess der geometrischen Abstraktion unterzieht. Einige dieser Arbeiten tragen den Titel Le Couvert, was aus dem Französischen übersetzt „das Gedeck“ bedeutet und zugleich auf das höfische wie alltägliche Ritual des Tischdeckens verweist.

Das vorliegende Werk zeigt ein bildfüllendes, streng aufgebautes Arrangement, dessen Elemente sich zu einer pyramidenartigen Gesamtform verdichten. Von den unteren Bildecken verlaufen zahlreiche Diagonalen in die obere Bildmitte und erzeugen ein klares konstruktives Gefüge. Diese lineare Struktur ist charakteristisch für Evards Position zwischen Spätkubismus, Konstruktivismus und der sich in den 1920er- und 1930er-Jahren etablierenden Konkreten Kunst. Während viele seiner Zeitgenossen die vollständige Loslösung vom Gegenstand anstrebten, bewahrt Evard hier eine subtile Gegenständlichkeit und verbindet sie mit der strengen Ordnung geometrischer Formen.

Der untere Bildrand, an dem sich der Tisch vermuten lässt, ist in zurückhaltenden Braun- und Grautönen gehalten und bildet eine ruhige Basis für das farbkräftige Stillleben. Flasche, Glas und Serviette erscheinen in intensiven Tönen – Ultramarinblau, Rot, Braun, Schwarz, Grün und Orange – und heben sich deutlich vom Hintergrund ab. Dieser ist in der oberen Bildhälfte von hellen Gelb- und Orangenuancen geprägt, wodurch das konstruktive Gebilde optisch in den Vordergrund rückt, und eine klare räumliche Staffelung entsteht.