Auch in diesem Werk ist die Prägung durch Charles L’Eplattenier (1874-1946) deutlich erkennbar. Fasziniert von dessen Sammlung orientalischer Kunst begann André Evard, indische Tücher und Schals, persische Teppiche sowie andere fernöstliche Kunstgegenstände zu sammeln. Im Entstehungsjahr des kleinformatigen Aquarells nahm Evard zudem an einem Emaille-Kurs der Kunstgewerbeschule von La Chaux-de-Fonds teil. Analog zu den in der Folge entstandenen Emaille-Arbeiten trug der Künstler die Farben auch hier kleinteilig und geradezu edelsteinartig auf. So wird nachvollziehbar, warum L’Eplattenier seinen Schüler einst als „Juwelier der Malerei“ bezeichnete.
Ganz im Sinne seines Lehrers ging Evard bei dem stilisierten Bäumchen von der Naturbeobachtung aus und nutzte die der Natur innewohnenden Möglichkeiten zur Abstrahierung des Gesehenen in einen dekorativen Reigen aus schwingenden Linien und pulsierenden Farbflächen. Das Werk zeigt einen stilisierten Baum, der aus einer Vielzahl kleiner, farbiger Punkte aufgebaut ist. Der schlanke Stamm erhebt sich zentral aus dem unteren Bildrand und verzweigt sich in eine dichte, rundliche Krone. Diese besteht aus einem lebendigen Mosaik aus Blau-, Grün-, Rosa- und Violetttönen, die gleichmäßig über die Fläche verteilt sind und dem Bild eine vibrierende, fast flimmernde Wirkung verleihen. Der ebenfalls punktiert gestaltete Hintergrund lässt Baum und Umgebung ineinander übergehen. Trotz der abstrakten Technik bleibt die Form des Baumes klar erkennbar und vermittelt eine ruhige, zugleich aber dynamisch belebte Gesamtwirkung.