Ein Schweizer Maler der Moderne

Schwarze Tanne, 1906-08, Emaille auf Kupferplatte, 32,5 x 26,5 cm (R.), 14 x 7 cm (o. R.)

Schwarze Tanne, 1906-08

Um 1900 entwickelte sich La Chaux-de-Fonds im Schweizer Jura zu einem Zentrum der Emailkunst und des Kunstgewerbes. Eng verbunden mit der Uhrenindustrie verbanden die Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker dort technische Präzision mit künstlerischer Gestaltung.
An der École d’arts appliqués de La Chaux-de-Fonds, an der auch André Evard (1876–1972) und Charles-Édouard Jeanneret (Le Corbusier) (1887-1965) studierten, wurde das Kunsthandwerk systematisch gefördert – insbesondere in Metall, Gravur und Emaille. Unter der Leitung von Charles L’Eplattenier (1874 – 1946) entstand hier der „Style Sapin“ („Tannenstil“), eine regional geprägte Form des Jugendstils, inspiriert von der Natur des Juragebirges.
Das Emaille-Werk von André Evard (1876-1972) zeigt eine stilisierte Tanne in abstrakter Formensprache. Die dunkle, zentrale Gestalt lässt die Silhouette eines Nadelbaums erkennen, der sich vertikal über die Bildfläche erstreckt. Umgeben wird die Tanne von weich verlaufenden, Himmel in dunklem Blau. Ein Netz aus geschwungenen, ornamentalen Linien legt sich über den Nadelbaum und verleiht der Darstellung eine zusätzliche Struktur sowie eine beinahe rhythmische Bewegung. Goldene Akzente setzen leuchtende Kontraste und heben einzelne Partien hervor. Insgesamt verbindet das Werk die natürliche Form der Tanne mit einer abstrakten, dekorativen Bildgestaltung.