In „Stillleben mit Trauben“ schafft André Evard ein beinahe surreal wirkendes Arrangement, das bewusst mit den Konventionen des klassischen Stilllebens spielt. Auf der rechten Bildseite steht ein Glas, eine transparente, blasenartige Überlagerung in der Bildmitte durchbricht jedoch seine Form und lässt sie verschoben und doppelt erscheinen.
Flankiert wird die zentrale Blase von stark stilisierten, rotbraunen Traubenbündeln. Weitere Früchte scheinen im Raum zu schweben: Ein roter Apfel befindet sich innerhalb der Blase, während gelbe Zitronen den Eindruck erwecken, in den Kelch gelegt worden zu sein. Die Ordnung des klassischen Stilllebens wird zugunsten einer surrealen Bildlogik aufgehoben.
Der Bildraum zeigt eine bewusst unstringente Architektur. Ein zweistufiger, beinloser Tisch sowie unklare Wandformationen, die weder eindeutig als Fenster noch als Raumabschlüsse zu deuten sind, destabilisieren die räumliche Orientierung. Damit knüpft Evard an die Ästhetik der Pittura Metafisica an, die zwischen 1910 und den frühen 1920er-Jahren vor allem in Italien (u. a. Ferrara und Rom) entstand und durch rätselhafte Räume und traumlogische Objektkonstellationen geprägt ist.
Die farbliche Gestaltung ist von stark vergrauten Nuancen beherrscht. Nur der rote Apfel und die gelben Zitronen setzen kontrastreiche Akzente und durchbrechen das ansonsten gedämpfte Kolorit.