Ein Schweizer Maler der Moderne

Sonnenuntergang in gelb und orange, 1945, Öl auf Karton, 45 x 58,5 cm (R.), 27,7 x 41,6 cm (o. R.)

Sonnenuntergang in gelb und orange, 1945

Das Gemälde zeigt Evards unverwechselbare Fähigkeit, Licht und Farbe zu einem emotionalen Gesamterlebnis zu verdichten. In warmen, leuchtenden Tönen entfaltet sich eine fast transzendente Landschaft: Der Himmel glüht in intensivem Gelb und sanftem Orange, das sich nach unten hin in tiefere Rot- und Purpurschichten verdichtet. Das Licht scheint die gesamte Fläche zu durchdringen, bis kaum mehr zwischen Himmel und Erde zu unterscheiden ist – alles wird zu einem vibrierenden Farbraum.
Die Bildkomposition ist streng reduziert und zugleich voller Bewegung. Der Horizont bildet eine schmale, ruhige Linie, die die leuchtenden Farbflächen voneinander trennt, während die oberen Partien in weichen, wolkenartigen Strukturen aufbrechen. Evard gelingt es, die Energie des Sonnenuntergangs nicht nur abzubilden, sondern spürbar zu machen – als leuchtendes Symbol für Übergang, Wandel und Hoffnung.
Entstanden ist das Werk im Jahr 1945, in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche. Europa lag nach dem Zweiten Weltkrieg in Trümmern, und viele Künstler suchten nach neuen Ausdrucksformen, die über Zerstörung und Leid hinausführten. Evard, der stets an der Grenze zwischen gegenständlicher und abstrakter Kunst arbeitete, übersetzt diese Zeit des Neubeginns in reine Farbe und Licht. Sein Sonnenuntergang wirkt wie eine meditative Antwort auf die Dunkelheit der vergangenen Jahre – ein stilles Zeichen der Erneuerung, des Friedens und der spirituellen Kraft der Natur.
Im Kontext seines Gesamtwerks markiert dieses Gemälde eine späte, reife Phase: Evard löst sich zunehmend von der konkreten Form und findet in der Farbe selbst das eigentliche Ausdrucksmittel. „Sonnenuntergang in Gelb und Orange“ ist daher nicht nur Landschaft, sondern zugleich eine Vision des inneren Lichts – ein stiller Triumph der Farbe über die Schatten der Geschichte.