Ein Schweizer Maler der Moderne

Äpfel, 1941, Öl auf Karton, 45 x 58 cm (R.)

Äpfel, 1941

Das Gemälde zeigt eine Gruppe leuchtend roter Äpfel, die in einer fast monumentalen Weise im Vordergrund arrangiert sind. Die Früchte wirken schwer, kompakt und sind durch kräftige Licht-Schatten-Kontraste modelliert. Ihre Rundungen heben sich klar von dem bewegten, expressiven Hintergrund ab. Dieser ist von intensiven Grüntönen und gelblich schimmernden Partien geprägt, die eine gartenartige Umgebung andeuten. Die Pinselstriche sind dynamisch und vielschichtig, stellenweise fast pastos, sodass der Boden und das Laub in vibrierender Bewegung erscheinen. Über den kontrastreichen Farben liegt eine gewisse dramatische Stimmung, die die Äpfel zu Hauptprotagonisten eines kraftvollen Naturensembles macht.
Das Werk lässt sich in Evards Spätphase einordnen, in der er nach seinen streng konstruktivistischen, fast puristischen Bildfindungen der 1920er und frühen 1930er Jahre wieder stärker zur Naturdarstellung zurückkehre. Evard, einer der frühen Vertreter der Schweizer Konkreten und oft im Umfeld der Avantgarden der Moderne verortet, verband in seinen späteren Werken gegenständliche Motive mit einer ausgeprägt expressiven Farbigkeit. Gerade in den 1940er Jahren, einer Zeit geprägt von politischer und gesellschaftlicher Erschütterung, wandte sich Evard vermehrt einer intensiven, emotional aufgeladenen Malweise zu, in der Farbe als zentrales Ausdrucksmittel diente.
In diesem Gemälde zeigt sich seine besondere Fähigkeit, das Genre des Stilllebens in eine expressive, beinahe symbolische Form zu überführen. Die Äpfel erscheinen nicht lediglich als naturalistische Früchte, sondern als energetische Farbelemente, die von ihrem Umfeld herausgehoben werden und eine innere Kraft ausstrahlen. Die Komposition wirkt verdichtet und spannungsvoll, obwohl sie keinen realen Raum darstellt, sondern einen farbdurchtränkten Resonanzraum, der an expressionistische Landschaftsmalerei wie bei Vincent van Gogh (1853 – 1890) erinnert.