In dem Werk „Blumenstrauß“ von 1951 entfaltet André Evard seine langjährige Auseinandersetzung mit Farbe, Form und Bildaufbau. Der dichte Blumenstrauß in kräftigen, satten Farben, rückt in einen eindringlichen Farbkontrast zur Bildumgebung: Die Blüten erscheinen kühl und ruhig, während der Hintergrund durch warme Rot /Orangetöne einen intensiven Spannungsraum schafft.
Evard nutzt diesen Kalt Warm Gegensatz bewusst als Mittel der Komposition: Der kühle Strauß tritt optisch hervor, gewinnt Nähe und Präsenz, während der warme Hintergrund zurücktritt — das Stillleben gewinnt damit Tiefe, Dreidimensionalität und eine fast theatralische Wirkung. In dieser Farbanlage lässt sich Evards Fähigkeit erkennen, gegensätzliche Farben nicht als störenden Gegensatz, sondern als harmonisch spannungsvolle Einheit zu begreifen — eine Qualität, die sein gesamtes Œuvre durchzieht.
Darüber hinaus verweist das Bild auf Evards lebenslange Suche nach Ausdruck und Stimmung durch Farbe: Obwohl der Künstler früh zur geometrisch abstrakten Kunst fand, kehrte er immer wieder zur figurativen Malerei zurück — gerade in kleinen Stillleben und Naturdarstellungen, wo Farbe und Stimmung oft im Zentrum stehen. Solch ein Blumenbild zeigt, wie Evard klassische Motive mit seiner modernen Farb- und Kompositionssensibilität verbindet.