Ein Schweizer Maler der Moderne

Herbstliche Krokusse, 1917, Aquarell auf Papier, 51,5 x 41 cm (R.), 14 x 13 cm (o. R.)

Herbstliche Krokusse, 1917

Das Werk zeigt eine dichte, nahezu ornamental wirkende Komposition aus Pflanzenstrukturen, die den gesamten Bildraum füllt. Die Farbpalette ist von warmen, erdigen Brauntönen dominiert, die an verwelktes Herbstlaub, feuchte Erde und vergilbtes Gras erinnern. Diese Hintergrundstruktur wirkt wie ein verschlungenes Geflecht aus Blättern, Stängeln und Gräsern, das in verschiedensten Abstufungen von Ocker, Siena und dunklem Braun angelegt ist. Aus diesem dichten, organischen Grund heben sich mehrere schmale, längliche Blütenformen hervor. Sie sind in helleren, beinahe weißlich-cremefarbenen Tönen gesetzt und wirken dadurch wie feine Lichtakzente im ansonsten dunklen Ensemble. Ihre schlanken, nach oben gerichteten Silhouetten schaffen eine vertikale Spannung im Bild. Daneben erscheinen kleinere grünliche Elemente, die zusätzliche Bewegung und Tiefe erzeugen. Einzelne Tupfer in kräftigem Blau oder Schwarz setzen minimale, aber wirkungsvolle Kontraste, die den Blick des Betrachters durch die Komposition lenken.
Die malerische Behandlung ist typisch für Evards Frühphase: Der Pinselstrich wirkt präzise, aber gleichzeitig organisch, die Formen verschachteln sich zu einem rhythmischen Gefüge, das bereits auf seine spätere Hinwendung zur Abstraktion verweist. Das Werk vereint Naturbeobachtung mit einer zunehmenden Stilisierung, sodass das Motiv trotz Gegenständlichkeit eine fast abstrakte, mosaikartige Wirkung entfaltet.