Ein Schweizer Maler der Moderne

Pfingstrosen in orangenem Licht, 1919, Öl auf Hartfaserplatte, 32 x 39 cm (R.), 18,5 x 26,2 cm (o. R.)

Pfingstrosen in orangenem Licht, 1919

Dieses Werk zeigt ebenfalls eindrücklich liegende Rosen. Beide Werke „Liegende Rosen“ und „Pfingstrosen in orangenem Licht“ stammen aus dem Jahr 1919 und zeigen, wie intensiv sich Evard in dieser Phase mit dem floralen Stillleben auseinandersetzt – jedoch in einer zunehmend modernen, farbbetonten Bildsprache. Motivisch verbinden sie die üppigen Blütenformen, die Evard weniger naturalistisch als vielmehr atmosphärisch und malerisch interpretiert.
„Liegende Rosen“ arbeitet mit einer vielfältigen, leicht gedämpften Farbpalette aus Rosé-, Gelb- und Grüntönen. Die Stimmung wirkt ruhig und die Blüten heben sich klarer vom Hintergrund ab.
Demgegenüber erscheint „Pfingstrosen in orangenem Licht“ wie in ein warmes, beinahe glühendes Licht getaucht. Dominierend sind hier Gelb-, Orange- und Goldtöne, wodurch das gesamte Bildfeld eine leuchtende, fast monochromatische Intensität erhält. Diese Lichtüberstrahlung lässt die Formen stärker miteinander verschmelzen und erzeugt eine beinahe symbolistische Wirkung.
Beide Gemälde zeigen exemplarisch Evards Entwicklung nach dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1918), als er sich verstärkt modernen Tendenzen zuwandte. Während „Liegende Rosen“ noch an traditionelle Stillleben anknüpft, aber bereits mit farblicher Vereinfachung arbeitet, geht dieses Werk einen Schritt weiter: Farbe wird hier zur eigentlichen Protagonistin und kündigt Evards Weg in eine freiere, zunehmend abstrahierte Formensprache an. Beide Werke verdeutlichen, wie Evard in dieser Phase Übergänge zwischen naturalistischer Darstellung, expressiver Farbgebung und atmosphärischer Abstraktion auslotet.