Das Gemälde zeigt eine farbintensive, expressive Landschaftsdarstellung. Im Vordergrund breiten sich grüne Wiesen und Felder aus, die durch kräftige, kurze Pinselstriche und dunkle Linien strukturiert sind. Diese Linien verleihen der Komposition Tiefe und Rhythmus. In der Bildmitte öffnet sich die Landschaft zu einem lila gefärbten Bergmassiv, das ruhig und monumental in der Ferne liegt. Darüber spannt sich ein intensiver Himmel, der in kräftigen Rot-, Orange- und Gelbtönen leuchtet und nach oben hin in kühlere Blau- und Violett Nuancen übergeht. Kleine rosa Wolken setzen Akzente und verstärken die lebhafte, fas mystische Stimmung des Sonnenuntergangs.
Evard nutzt hier die Farbe nicht nur zur Darstellung der Natur, sondern als eigenständiges Ausdrucksmittel. Die starken Kontraste zwischen warmem Himmel und kühlem Vordergrund schaffen eine spannungsvolle Bildwirkung. Gleichzeitig wirken die Flächen und Linien vereinfacht und geometrisch, was dem Werk einen abstrakten Charakter verleiht.
Das Bild entstand in einer Zeit, in der die Kunst zunehmend von der Gegenständlichkeit abrückte. André Evard (1876-1972), der als Vorläufer der konkreten Kunst gilt, verband in seinem Werk Elemente des Kubismus, Expressionismus und Konstruktivismus. „Landschaft mit lila Berg“ steht exemplarisch für diese Verbindung: Es zeigt noch eine erkennbare Naturlandschaft, ist aber durch Farbklang, Komposition und Struktur bereits stark abstrahiert.
Mit diesem Werk demonstriert Evard sein großes Interesse an der Wirkung von Farbe und Form. Die Landschaft wird nicht naturgetreu wiedergegeben, sondern zu einem harmonischen Zusammenspiel aus Flächen und Farbtönen verdichtet. Das Gemälde vereint emotionale Ausdruckskraft mit konstruktiver Ordnung und spiegelt damit die künstlerische Entwicklung der 1950er Jahre wider – den Übergang von expressiver Malerei hin zu einer abstrakteren, modernen Bildsprache.