Im Jahr 1917, dem Entstehungsjahr von Berg, Vogel, war La Chaux-de-Fonds trotz der Schweizer Neutralität stark von den Folgen des Ersten Weltkriegs (1914–1918) geprägt: Die einst florierende Uhrenindustrie geriet in eine tiefe Krise, Arbeitslosigkeit und soziale Spannungen bestimmten den Alltag. Zugleich entwickelten sich, angeregt durch die Russische Revolution (1918/1919), lebhafte sozialistische und künstlerische Bewegungen. In diesem Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Unruhe und geistiger Erneuerung entstand das Werk von Charles L’Eplattenier (1874-1946) Evard.
Das Gemälde zeigt eine weite, sanft geschwungene Berglandschaft in leuchtenden Grün- und Blautönen. Im Vordergrund führen geschwungene Wege durch hügeliges Gelände mit vereinzelten dunklen Bäumen und warm gefärbten Buschformen, während sich dahinter gestaffelte Bergzüge in weich abgestuften Farben in die Ferne erstrecken. Der Himmel ist von zarten, bewegten Wolken durchzogen, in denen mehrere Vögel ruhig ihre Kreise ziehen. Die vereinfachte, leicht abstrahierte Formensprache verbindet Naturbeobachtung mit einer symbolischen Verdichtung und verleiht der Szene eine stille, fast meditative Atmosphäre.
So lässt sich das Bild als Ausdruck eines inneren Rückzugs lesen, aber auch als Suche nach Ordnung und Harmonie in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche.